Terrassenüberdachung in Sachsen: genehmigungsfrei oder nicht?
Verfahrensfrei nach § 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. g SächsBO. Bis 30 m² Fläche und 3 m Tiefe. Innerhalb dieser Grenzen musst du die Bauaufsicht in Sachsen nicht beteiligen.
Fundstelle und Wortlaut
Wortlaut nach der von uns ausgewerteten Fassung:
„Terrassenüberdachungen mit einer Fläche bis zu 30 m² und einer Tiefe bis zu 3 m“
Bis zu diesen Maßen gilt die Freiheit
| Fläche | bis 30 m² |
|---|---|
| Tiefe | bis 3 m |
| Außenbereich | in dieser Nummer nicht ausgenommen |
Einen Ausschluss für den Außenbereich enthält die Nummer nicht, das Planungsrecht nach § 35 BauGB gilt aber weiter.
Was bei eine Terrassenüberdachung oft übersehen wird
Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen erlauben 40 m², das Saarland und Hessen nennen keine Fläche, Hessen verlangt dafür aber eine Bescheinigung der statisch-konstruktiven Unbedenklichkeit. Eine Überdachung mit festen, verglasten Seitenwänden kann rechtlich ein Wintergarten sein. Dann gelten andere Regeln.
Worauf du trotzdem achten musst
Auch ohne Prüfung durch die Behörde musst du das öffentliche Baurecht einhalten.
- Statik und Brandschutz sind deine Aufgabe, wenn kein Verfahren stattfindet.
- Für den Abstand zum Nachbarn ist § 6 Abs. 5 SächsBO maßgeblich: Grundregel 0,4 H, mindestens 3 m.
- Denkmalschutz geht vor: Für Arbeiten an oder bei einem Denkmal ist eine eigene Genehmigung nötig.
- Sprich mit dem Nachbarn, bevor du an die Grenze baust. Zivilrechtliche Ansprüche bestehen unabhängig von der Bauordnung.
- Seitenwände: offene Überdachung oder schon Wintergarten.
- Standsicherheit bei Schnee und Wind.
Was gilt, wenn die Grenze überschritten wird
In Sachsen heißt das Verfahren ohne Bescheid Genehmigungsfreistellung (§ 62 SächsBO). Es setzt in der Regel einen Bebauungsplan voraus, gebaut werden darf drei Wochen nach dem bestätigten Eingangsdatum. Passt die Freistellung nicht, ist § 63 SächsBO einschlägig: Vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren mit eingeschränktem Prüfumfang.
Genehmigungsfreistellung in Sachsen · Vereinfachtes Verfahren in Sachsen · Bauvoranfrage
Andere Länder, andere Grenzen
| Land | Status | Regel |
|---|---|---|
| Sachsen-Anhalt | frei | mit einer Fläche bis zu 30 m² (§ 60 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. i BauO LSA) |
| Thüringen | frei | bis 30 m² Fläche und 4 m Tiefe, außer im Außenbereich (§ 63 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. g ThürBO) |
| Brandenburg | frei | bis 30 m² Fläche und 4 m Tiefe, außer im Außenbereich (§ 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. j BbgBO) |
| Bayern | frei | mit einer Fläche bis zu 30 m² (Art. 57 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. g BayBO) |
Terrassenüberdachung: alle 16 Länder im Vergleich
Eigene Maße eingeben
Der Check vergleicht deine Maße mit der Grenze aus § 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. g SächsBO.
Zuständige Bauaufsicht in Sachsen
Im Zweifel hilft ein Anruf bei der Bauaufsicht. Welche Behörde für dein Grundstück zuständig ist, zeigt unsere Übersicht.
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Häufige Fragen
Ist eine Terrassenüberdachung in Sachsen genehmigungspflichtig?
Nein, solange du die Grenzen aus § 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. g SächsBO einhältst.
Was droht, wenn ich ohne nötige Genehmigung baue?
Die Bauaufsicht kann die Arbeiten einstellen und die Beseitigung anordnen. Der Bußgeldrahmen reicht in Sachsen bis 500.000 Euro (§ 87 Abs. 3 SächsBO).
Brauche ich eine Statik?
Auch verfahrensfreie Anlagen müssen standsicher sein. Hessen verlangt die Bescheinigung einer berechtigten Person ausdrücklich. Bei Bausätzen liefert der Hersteller meist eine Typenstatik.
Quellen und Stand
Sächsische Bauordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. Mai 2016 (SächsGVBl. S. 186), zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 1. März 2024 (SächsGVBl. S. 169), aktuelle Fassung seit 19. März 2024.
Text aus dem amtlichen Landesrecht-Portal.
Geprüft am 13.10.2026 von der Redaktion Bauamt.net. Keine Rechtsberatung, verbindlich ist der amtliche Gesetzestext. Fehler melden