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Anbau in Hessen: genehmigungsfrei oder nicht?

Hessische Bauordnung · geprüft am 13.10.2026 · Redaktion

Verfahren nötig

Für einen Anbau kommst du in Hessen um ein Verfahren nicht herum. Ein Anbau mit Wohnfläche braucht im qualifizierten Bebauungsplan die Genehmigungsfreistellung (§ 64), sonst das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren (§ 65).

Was in der HBO steht

Damit du selbst nachlesen kannst, steht hier der Gesetzestext.

„Die Errichtung, Aufstellung, Anbringung und Änderung sowie die Nutzungsänderung von Anlagen oder von Teilen bedürfen der Baugenehmigung“

Weder § 63 i. V. m. der Anlage noch eine andere Ausnahmevorschrift der HBO nennt einen Anbau. Es gilt der Grundsatz aus § 62 Abs. 1 HBO.

Hintergrund zu einen Anbau

Ein Anbau mit Wohnfläche ist in keinem Land verfahrensfrei. Je nach Lage und Land brauchst du die Genehmigungsfreistellung, das Kenntnisgabeverfahren in Baden-Württemberg, das Bauanzeigeverfahren in Brandenburg oder das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren. Im Geltungsbereich eines qualifizierten Bebauungsplans ist der Weg oft kürzer.

In vier Schritten prüfen

  • Abstandsflächen nach § 6 Abs. 5 HBO: Grundregel 0,4 H, mindestens 2,5 m.
  • Das Nachbarrecht des Landes regelt Abstände und Einfriedungen zusätzlich zivilrechtlich.
  • Schau in den Bebauungsplan: Festsetzungen zu Baugrenzen, Nebenanlagen und Gestaltung musst du auch ohne Bauantrag einhalten.
  • Gebäudeklasse des erweiterten Hauses.
  • Gebäudeenergiegesetz für neue beheizte Flächen.

Wenn dein Vorhaben größer ist

Der schnellste Weg führt über § 64 HBO: Genehmigungsfreistellung. Sonst führt der Weg über das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren nach § 65 HBO.

Genehmigungsfreistellung in Hessen · Vereinfachtes Verfahren in Hessen · Bauvoranfrage

Vergleich mit den Nachbarländern

LandStatusRegel
Nordrhein-WestfalenVerfahrenEin Anbau mit Wohnfläche braucht im qualifizierten Bebauungsplan die Genehmigungsfreistellung (§ 63), sonst das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren… (§ 60 Abs. 1 BauO NRW 2018)
Baden-WürttembergVerfahrenEin Anbau mit Wohnfläche ist nicht verfahrensfrei. Im qualifizierten Bebauungsplan kommt das Kenntnisgabeverfahren in Betracht, sonst das vereinfacht… (§ 49 LBO)
NiedersachsenVerfahrenEin Anbau mit Wohnfläche braucht ein vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren (§ 63) oder, im qualifizierten Bebauungsplan, die Genehmigungsfreiheit na… (§ 59 Abs. 1 NBauO)
ThüringenVerfahrenEin Anbau braucht die Genehmigungsfreistellung (§ 64) für Gebäude der Gebäudeklassen 1 bis 3 im Bebauungsplangebiet oder das vereinfachte Baugenehmig… (§ 62 Abs. 1 ThürBO)

Anbau: alle 16 Länder im Vergleich

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Bauämter in Hessen

Nicht dein Wohnort entscheidet, sondern die Lage des Grundstücks. Hier einige Bauaufsichten in Hessen:

Rüsselsheim am Main · Bad Homburg v. d. Höhe · Hanau · Vogelsbergkreis · Kassel · Landkreis Hersfeld-Rotenburg · alle anzeigen

Kurz beantwortet

Muss ich für einen Anbau in Hessen einen Bauantrag stellen?

Ja, ein Verfahren ist nötig. Welches, hängt vor allem vom Bebauungsplan ab.

Was droht, wenn ich ohne nötige Genehmigung baue?

Die Bauaufsicht kann die Arbeiten einstellen und die Beseitigung anordnen. Der Bußgeldrahmen reicht in Hessen bis 500.000 Euro (§ 86 Abs. 3 HBO).

Kann ich klein anfangen und später erweitern?

Ja, aber jede Erweiterung ist neu zu prüfen. Plane den Endzustand mit, damit Abstandsflächen und Grundflächenzahl auch später passen.

Quellen und Stand

Hessische Bauordnung, HBO vom 28. Mai 2018 (GVBl. S. 198), mit den Änderungen durch das Dritte Gesetz zur Änderung der Hessischen Bauordnung (GVBl. 2025 Nr. 66), in Kraft seit 14. Oktober 2025.

Amtliche Lesefassung des Ministeriums (Stand Oktober 2025, Drittes Änderungsgesetz, GVBl. 2025 Nr. 66).

Geprüft am 13.10.2026 von der Redaktion Bauamt.net. Keine Rechtsberatung, verbindlich ist der amtliche Gesetzestext. Fehler melden

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